Kultur
So ein Zirkus – Varieté für Jung und Alt
Christopher Dröge · 25.06.2026
Das Mehrgenerationen-Varieté ist ein Gemeinschaftsprojekt mit vielen Mitwirkenden: Bürgerzentrum Deutz
Noch im vergangenen Jahr hatte Jakob Klütsch (75) gemeinsam mit seiner Enkelin bei der großen Abschluss-Show des Mehrgenerationen-Varietés im Publikum gesessen. „Da war sie so hellauf begeistert gewesen, dass sie beim nächsten Mal unbedingt auch mitmachen wollte“, erinnert er sich. Und so standen sie ein Jahr später gemeinsam in der Manege, denn teilnehmen kann jeder, egal wie jung oder alt.
Mitmachprojekt für jung und alt
Klütsch war der Wunsch seiner Enkelin nur recht. Nach einer Schulteroperation konnte er den Trommel-Workshop, den er seit Renteneintritt für sechs Jahre geleitet hatte, nicht mehr fortführen. Ein Seitenwechsel zum Teilnehmer schien ihm eine gute Idee. Also haben er und seine Enkelin sich beim Veranstalter des Varietés, dem Bürgerzentrum Deutz, angemeldet.
Das Bürgerzentrum bietet dieses bereits seit 2014 immer in der zweiten Woche der Sommerferien an. „Ursprünglich ist es aus unserem Kinderzirkus erwachsen“, sagt Mitarbeiterin Miriam Meisenburg, die das Projekt koordiniert. „Bei dessen Abschluss-Vorstellungen hatten wir immer wieder Begegnungen mit Eltern und anderen Familienmitgliedern, die am liebsten selbst mitgemacht hätten. Darum hatten wir die Idee, den Teilnehmerkreis zu erweitern“, erzählt sie. In diesem Jahr nehmen fünfzig Menschen teil, sie sind zwischen vier und siebzig Jahren alt. In den vergangenen Jahren waren auch schon mal 85-Jährige dabei.

Eine schöne Zeit für Jung und Alt. Foto: Bürgerzentrum Deutz
Echte Zirkusluft schnuppern
So haben die Teilnehmenden eine Woche lang die Möglichkeit, sich in einem richtigen Zirkuszelt an einer ganzen Reihe von kreativen Bewegungs- und Darstellungsformen auszuprobieren. Das Zelt, das bisher alljährlich auf dem Schulhof der Realschule Deutz aufgeschlagen wurde, wird vom Zirkus „Zapzarapp“ gestellt, dessen Mitarbeiter auch als Projektleiter an der Planung beteiligt ist. Hier trainieren die Teilnehmenden die klassischen Zirkusdisziplinen wie Akrobatik, Jonglage und Seiltanz. Aber auch Angebote, die weniger körperlich fordernd sind, wie zum Beispiel Zauberei, Theater oder Musik sind im Programm.

Trommeln lernen mit anderen. Foto: Bürgerzentrum Deutz
Die Workshop-Woche beginnt jeweils am Montag mit einem gemeinsamen Einstieg und einer „Schnupperrunde“, bei der alle die Angebote einmal ausprobieren können. Anschließend können sie sich für bis zu zwei der Workshops entscheiden. Danach wird täglich vormittags an dem ersten, nachmittags an dem zweiten Workshop gearbeitet. Dazwischen gibt es eine ausgiebige Mittagspause. Aber, so Klütsch: „Man muss nicht zwei Workshops machen, man kann sich auch mit einem begnügen. Ich bleibe auf jeden Fall für die Mittagspause – da kommen alle wieder zusammen, das sind die kommunikativsten Momente.“
Spaß haben und lernen
Klütsch stieg bei der Zauberei ein und lernte auch das „Chuck- Chuck“ kennen, das kleinste Schlagzeug der Welt, das an einen ungekrümmten Bumerang erinnert und auf jeder Tischkante einen Rhythmus erzeugt. „Das fühlte sich vertraut an, weil es um Musik und Rhythmus ging, also um meine alte Richtung“, sagt er. Die Workshopleiter wirbt Meisenburg aus dem Umfeld des Bürgerzentrums an. „Wir versuchen immer, eine große Bandbreite abzudecken“, berichtet sie. „Für die Kinder sind immer Clowns im Programm, für die Erwachsenen ist immer ein Profi vom Theater dabei.“ Vor allem sei jedoch wichtig, dass die Trainer den Geist des Projektes teilen: „Es geht nicht darum, Höchstleistungen zu vollbringen oder besser als die anderen Gruppen zu sein“, betont sie. „Das Ziel ist, Spaß daran zu haben, neue Dinge kennenzulernen, auszuprobieren und gemeinsam eine gute Zeit zu haben.“

Einmal den Clown in sich entdecken. Foto: Bürgerzentrum Deutz
Für Klütsch geht dieser Ansatz auf jeden Fall auf. „Ich finde diese Atmosphäre einfach toll“, schwärmt er. „Dieses Zelt, die vielen fröhlichen Menschen, mit denen man den ganzen Tag gemeinsam etwas einübt. Man hat so viele interessante Begegnungen, es fühlt sich alles leicht und locker an.“
Höhepunkt und Finale ist die Varieté-Show am Freitagabend. Gemeinsam wird eine Rahmengeschichte entworfen, in die die einzelnen Darbietungen eingebettet werden. „So etwas mit den Kids auf die Beine zu stellen, das gibt unheimlich Power“, drückt Klütsch es in Jugendsprache aus. „Es ist total spannend, was aus dieser Verbindung der Generationen entstehen kann.“ Mit seiner Begeisterung für das Mehrgenerationen-Varieté will er andere anstecken. „Wer mal etwas anderes erleben will als Kaffeetrinken oder Brettspiele spielen, dem kann ich es nur wärmstens ans Herz legen“, sagt er.
Informationen
Nächster Workshop von Mo, 27. Juli, bis Fr, 31. Juli 2026
Kosten: 100 Euro, halbtags 55 Euro, Mittagessen 30 Euro. Familienermäßigung möglich.
Anmeldung: Bürgerzentrum Deutz, Tempelstr. 41–43
Tel. 0221 / 221-9 14 59
E-Mail: bz-deutz@netcologne.de
www.buergerzentrum- deutz.de
Öffentliche Vorstellung:
Fr, 31. Juli 2026, 19 Uhr, Eintritt: 9 Euro, Kinder 7 Euro.
Schulhof des Berufskolleg Deutzer Freiheit
Eumeniusstr. 4
50679 Köln (Deutz)
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Tags: Bewegung , Jung und Alt , Mehrgenerationen , Mitmachprojekt , Musik machen , Zirkus
Kategorien: Kultur